Geschichte des Wäschewaschens
Wäsche waschen früher und heute

in der alten Waschküche.....

Nehmen wir das Jahr 1938 her: Ich war damals zwölf Jahre alt und lebte bei meiner Tante in Reichenau in Südböhmen. Wenn ich von der Schule heimkam, wurde ich schon zu allerhand Arbeiten herangezogen, z. B. bei der Wäsche. Samstag Abend wurde immer Wäsche gewechselt und am Sonntag meistens am Abend die weiße Schmutzwäsche mit etwas Soda kalt eingeweicht über Nacht. Das Wasser musste mit Holzbutten, später auch mit Blecheimern vom Steingrand, der sich im Hof befand, in die Wohnung und zu den Stallungen getragen werden. Bei unserem Nachbarn wurde Aschenlauge aus Holzasche gewonnen, durch ein Tuch abgeseiht und diese Lauge zum Wäscheeinweichen genommen.

Am Montagmorgen wurde die Wäsche mit einer Waschrumpel kalt gewaschen, nachher eingeseift mit einer Kernseife und wieder in den Waschtrog oder Schaff (aus Holz) zurückgegeben. Inzwischen wurde Wasser erhitzt am Herd oder Kessel (Holzofen) und über die Wäsche geleert und wieder alles durchgerumpelt an besonders schmutzigen Stellen während des Waschens öfter eingeseift, dann ohne zu schwemmen die Weißwäsche im Sommer auf den Rasen gelegt.

Wenn die Sonne schien, wurde fleißig mit dem Spritzeimer gespritzt, damit die Wäsche schön weiß gebleicht wurde. War die Wäsche noch nicht ganz sauber oder das Bleichen nicht möglich (im Winter), so wurde die Wäsche an schmutzigen Stellen nochmals gut eingeseift und im Wäschekessel gekocht, durchgewaschen und geschwemmt. Unterröcke, Tisch- und Bettwäsche (auch Buntwäsche, wie z.B. Schürzen) wurden mit Erdäpfelstärke oder Reis leicht gestärkt und auf Holzstangen oder selbst gemachten Leinen (Flachs) Stricken teils schuppenartig (damit der Wind keine Wäschestücke verbläst) zum Trocknen aufgehängt. An den Faschingstagen (Montag, Dienstag) sollte nicht Wäsche gewaschen werden ("des is a olte Gfa" = Aberglaube); angeblich kommt man da in ein "Gwoschat" (=Geschwätz). War die Wäsche trocken, so wurde die Bügelwäsche mit Wasser eingespritzt und eingerollt. Die Bettwäsche wurde nicht gebügelt, sondern der Länge nach zusammengelegt und über der Tischkante zurechtgezogen.

Für die weißen Spitzenunterröcke, Blusen, Tücher, Kleider und die restlichen heiklen Wäschestücke wurde der Stagel (mancherorts auch als "Stachel" oder "Stahel" bezeichnet) im Ofen zum Glühen gebracht und dann mit einem Schürhaken in das Bügeleisen gegeben und sodann mit größter Vorsicht gebügelt, welche mehr Hitze brauchten, dann alles andere.

Im zweiten Weltkrieg machten wir selbst Seife aus Knochen, Darmfett und Laugenstein, da alles auf Karte war. Die selbst gemachte Seife war so scharf (fast ätzend), sodass die Finger wund wurden (Gummihandschuhe gab es damals noch keine) und man Glück haben musste, wenn bis zum nächsten Waschtag die Wunden verheilt waren.

1946 wurden wir aus der CSSR ausgewiesen, ich durfte als Österreicherin nicht mit nach Deutschland und kam daher nach Österreich als Dienstmagd in die Groißmühle (dort gab’s außer Wäsche stärken die selbe Prozedur, nur musste ich die Wäsche zum Schwemmen zum Bach hinunter tragen - die Feistritz rinnt nahe beim Haus vorbei - außer im Winter).Die Hände waren dann rot und blau vor Kälte, auch wurden sie an der Handoberfläche wund und so entstanden so genannte "Klüfte", die vom Wasser und der Kälte kamen und sehr schmerzten (schade, dass es da noch immer keine Gummihandschuhe gab).

Inzwischen verheiratet, bekam ich in der Zeit von 1952 bis 1963 meine fünf Kinder, für die ich neben Küchen-, Stall- und Feldarbeit alles mit der Hand waschen musste. Meine erste Hilfe beim Windelwaschen war das Waschpulver „Frauenlob“ und „Radion“. 1956 bekam ich mein erstes Bügeleisen, 1974 eine Wäscheschleuder, 1975 eine Waschmaschine und 1977 kaufte ich mir ein Dampfbügeleisen. Der technische Fortschritt ist eine Wohltat für jede/n Hausfrau/mann.

Diese Geschichte schrieb Herr Dr. Hannes Etzlstorfer (Schönbrunner Str. 169/15, 1120 Wien, Tel. 0664/2067390), der Sohn von Theresia Etzlstorfer aus Lasberg (geb. 1926, dzt. im Seniorenzentrum Lasberg) nach deren Erzählungen auf. Jedwede Veröffentlichung dieses Artikels, auch auszugsweise, darf nur mit dessen Erlaubnis geschehen.